
Stellen Sie sich das Knirschen des schwarzen Picón unter Ihren Schuhen vor, das Türkis des Meeres, das auf dunkles Vulkangestein trifft, und den Duft von frisch gegrilltem Fisch. Lanzarote besucht man nicht einfach – man erlebt die Insel mit allen Sinnen.
Eine Reise auf die wohl außergewöhnlichste der Kanarischen Inseln zu planen, kann anfangs etwas überwältigen: beginnt man mit den Landschaften? Oder doch zuerst mit den Stränden und versteckten Buchten? Und nicht zuletzt die Kunstwerke, die – ganz im Sinne César Manriques – mit der Landschaft verschmelzen. Dieser Guide liefert Ihnen alle wichtigen Informationen, um eine ausgewogene Route zusammenzustellen, die ursprüngliche Natur, lokale Gastronomie und kulturelle Highlights miteinander verbindet, ohne dass Sie wertvolle Zeit verlieren.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten auf Lanzarote
Lanzarote schöpft seine Kraft aus dem Inneren. Vulkane haben die Insel geformt, und das prägt bis heute alles – die Landschaft, die Architektur, sogar das Selbstverständnis ihrer Bewohner. Um Lanzarote zu verstehen, beginnt man deshalb am besten bei den emblematischsten Sehenswürdigkeiten.
Nationalpark Timanfaya: zwischen Vulkanen und Geysiren

In Timanfaya taucht man in eine nahezu mondähnliche Landschaft ein, die seit den verheerenden Vulkanausbrüchen zwischen 1730 und 1736 weitgehend unverändert geblieben ist. Die Erde ist hier noch immer spürbar aktiv. Weil kaum Pflanzen wachsen, kommen die roten, ockerfarbenen, braunen und schwarzen Töne der Montañas del Fuego besonders eindrucksvoll zur Geltung.
- Was es zu erleben gibt: geothermische Wärme, die aus dem Erdinneren aufsteigt und den Picón an der Oberfläche erhitzt. Bei den Geysir-Demonstrationen am Islote de Hilario verwandelt sich Wasser in sekundenschnelle in Dampf. Das Spektakel vermittelt unmittelbar die Kräfte, die immer noch knapp unter der Oberfläche schlummern.
- So können Sie den Park erkunden: Die offizielle Busfahrt (Guagua) ist im Eintrittspreis enthalten und führt über die Ruta de los Volcanes. Die faszinierende Strecke schlängelt sich durch Krater und erstarrte Lavaströme.
- Wo Sie in der Nähe essen können: Im Park selbst befindet sich das von César Manrique entworfene Restaurante El Diablo. Die Besonderheit ist der Grill: Fleisch und Fisch werden ausschließlich mit der geothermischen Hitze zubereitet, die aus einem natürlichen Schacht des Vulkans aufsteigt. Wenn Sie lieber außerhalb des touristischen Zentrums essen möchten, finden Sie in Yaiza traditionelle Restaurants mit kanarischen Innenhöfen, in denen hausgemachte Eintöpfe serviert werden.
Die Spuren von César Manrique: Kunst im Einklang mit der Natur
Keine Beschreibung von Lanzarote ist vollständig ohne César Manrique zu nennen. Der auf Lanzarote geborene Künstler machte die Insel zu einer lebendigen Leinwand, auf der Architektur und Landschaftsgestaltung nicht mit der Natur konkurrieren, sondern sie hervorheben. Seine Philosophie von Nachhaltigkeit und harmonischer Einbindung prägt bis heute den besonderen Charakter der Insel.
- Jameos del Agua und Cueva de los Verdes: Beide Orte gehören zum selben unterirdischen Lavatunnel, der durch den Ausbruch des Vulkans La Corona entstand.
- In der Cueva de los Verdes leitet eine geführte Tour tief ins Innere des Lavastroms und enthüllt am Ende einen optischen Effekt, der für einen echten Überraschungsmoment sorgt.
- In den Jameos del Agua öffnet sich der schwarze Lavatunnel zum Himmel. Der Kontrast zwischen dem Vulkangestein, dem strahlend weißen Pool und der organisch in die Landschaft integrierten Architektur ist typisch für César Manriques Stil: Natur und Architektur gehen nahtlos ineinander über. Hier lebt die blinde Albino-Krabbe (Munidopsis polymorpha), eine weltweit einzigartige Art.
- Mirador del Río: Hoch oben am Risco de Famara, mehr als 400 Meter über dem Meer, fügt sich dieser Aussichtspunkt nahezu unsichtbar in die Landschaft ein. Durch die großen Glasfenster oder von der Terrasse darüber eröffnet sich ein grenzenloser Blick auf den Chinijo-Archipel und die Insel La Graciosa – eine der eindrucksvollsten Aussichten der Kanaren.
- Wo Sie in der Nähe essen können: Meiden Sie die touristischen Restaurants und fahren Sie stattdessen in die kleinen Orte im Norden. Der Teleclub de Máguez und der Teleclub de Yé sind soziale Treffpunkte der Einheimischen. Dort erwarten Sie großzügige Portionen Ziegenfleisch, gegrillter Käse mit Mojo und Ropa Vieja zu sehr fairen Preisen.
Aktive Naturerlebnisse: Wanderwege, Küsten und besondere Orte
Abseits der bekannten touristischen Attraktionen zeigt Lanzarote seine wilde Seite. Hier sind Wind, Atlantik und Stille die eigentlichen Hauptdarsteller.
Die Strände von Papagayo und die Südküste

Im äußersten Süden der Insel, innerhalb des Monomento Natural Los Ajaches, liegen einige der schönsten goldenen Sandbuchten der Kanaren. Die Küste von Papagayo besteht aus mehreren geschützten Buchten, die von dunklen Felsklippen vor dem Wind abgeschirmt werden.
- Das gibt es zu erleben: Baden Sie im ruhigen, kristallklaren Wasser und entdecken Sie beim Schnorcheln zwischen Lippfischen und Geißbrassen die Unterwasserwelt. Der Kontrast zwischen hellem Sand, türkisfarbenem Meer und der kargen Vulkanlandschaft ist schlicht beeindruckend.
- Wo Sie in der Nähe essen können: Oberhalb der Hauptbucht liegt die Strandbar von Papagayo. Sie eignet sich ideal für eine Pause mit einer Portion Papas arrugadas mit Mojo Picón, tagesfrischer Fisch vom Grill und einem gut gekühlten Bier, während die Sonne langsam am Horizont verschwindet.
La Geria: Weinanbau in Vulkanasche
La Geria zeigt, wie anpassungsfähig die Landwirte Lanzarotes seit jeher sind. Nach den Vulkanausbrüchen des 18. Jahrhunderts entdeckten sie, dass die Schicht aus Vulkanasche (Picón) die Feuchtigkeit der Nacht speichert und den darunterliegenden Boden schützt.
- Ein Erlebnis für die Sinne: Die Landschaft ist von Tausenden in die Asche gegrabenen Mulden geprägt. Jede einzelne ist von einer halbkreisförmigen Steinmauer umgeben, die die Reben vor den Passatwinden schützt. Wer hier einen Weißwein aus Malvasía Volcánica probiert, schmeckt die Mineralität des Bodens und die handwerkliche Arbeit hinter diesem Wein.
- Wo Sie essen und die Weingüter besuchen können: Besuchen Sie die Bodega El Grifo, das älteste Weingut der Kanaren, das 1775 gegründet wurde, oder die Bodega Rubicón. Beide bieten geführte Weinproben an, die von gereiften kanarischen Ziegenkäsen mit geschützter Herkunftsbezeichnung begleitet werden.
Famara: Wind, Surfen und eine imposante Steilküste

Im Nordwesten der Insel liegt der mehr als fünf Kilometer lange Strand von Famara. Am Ende wartet die beeindruckende Steilküste von El Risco mit über 600 Metern Höhe. Der Ort gilt als Mekka für Wassersportarten wie Surfen, Kitesurfen und Windsurfen.
- Wo Sie im Ort essen können: Der kleine Fischerort Caleta de Famara hat seine sandigen Straßen bewahrt. Dort können Sie im beliebten Restaurant El Risco essen, das für seine gegrillten Napfschnecken mit grünem Mojo, traditionelle Fischsuppe und Reisgerichte mit frischen Meeresfrüchten bekannt ist.
Vergleich: Wo kann man was erleben?
Damit Sie Ihre Tage besser planen können und wissen, was Sie in den verschiedenen Teilen der Insel erwartet, fasst die folgende Übersicht die wichtigsten Erlebnisse nach Regionen zusammen:

Praktische Informationen und Tipps für Ihre Reise nach Lanzarote
Wer die Reise im Voraus plant, kann unnötige Umwege und Wartezeiten vermeiden und hat mehr Zeit, die Insel wirklich auf sich wirken zu lassen.
Anreise und Fortbewegung auf der Insel
Lanzarote verfügt über den Flughafen César Manrique-Lanzarote (ACE) in der Nähe der Hauptstadt Arrecife. Von hier bestehen regelmäßige Verbindungen zum spanischen Festland und zu zahlreichen Zielen in Europa.
- Mietwagen: Ein Mietwagen ist sehr empfehlenswert. Die öffentlichen Busse (Guaguas) verbinden zwar die wichtigsten Orte zuverlässig, erreichen abgelegene Naturgebiete und Aussichtspunkte jedoch nicht immer direkt. Die Straßen der Insel sind sicher und sehr gut ausgebaut, was auch Radrennfahrer und Triathleten zu schätzen wissen. Da die Entfernungen überschaubar sind, dauert die Fahrt von Norden nach Süden nur etwa 60 Minuten.
- Richtwerte für die Fahrzeiten:
- Arrecife nach Timanfaya: 30 Minuten.
- Playa Blanca (Süden) nach Órzola (Norden): 1 Stunde 10 Minuten.
- Costa Teguise nach La Geria: 25 Minuten.
Tipps für nachhaltiges Reisen und den Schutz der Umwelt
Lanzarote wurde 1993 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Das Ökosystem der Insel ist äußerst empfindlich. Damit ihre außergewöhnliche Landschaft erhalten bleibt, kommt es auf jeden einzelnen Besucher an:
- Nehmen Sie keine Steine oder Vulkanasche mit: Auch wenn sie wie ein harmloses Souvenir wirken, verändert das Entfernen von Picón oder Vulkangestein die Landschaft und ist streng verboten und mit Bußgeldern belegt.
- Bleiben Sie auf den markierten Wegen: Wer in Gebieten wie Timanfaya oder La Geria die ausgewiesenen Wege verlässt, beschädigt die empfindliche vulkanische Bodenschicht. Die dabei entstehenden Spuren können Jahrzehnte brauchen, bis sie auf natürliche Weise verschwinden.
- Unterstützen Sie die lokale Wirtschaft: Kaufen Sie auf den Wochenmärkten wie dem Mercadillo de Teguise am Sonntag ein, wählen Sie Käse und Wein mit geschützter Herkunftsbezeichnung und kehren Sie für Ihre Mahlzeiten bevorzugt in kleinen, familiengeführten Betrieben ein.
- Vermeiden Sie Plastik: Der Wind auf der Insel kann Abfälle schnell ins Meer tragen. Nehmen Sie eine wiederverwendbare Trinkflasche mit und entsorgen Sie Ihren Müll in den dafür vorgesehenen Behältern.
Die Magie Lanzarotes lässt die Zeit für einen Moment stillstehen. Wenn Sie über von Vulkanasche gesäumte Straßen fahren, einen in Vulkanasche gereiften Wein probieren oder von den Höhen der Steilküste auf das Meer blicken, lädt Lanzarote dazu ein, die Natur wieder bewusster wahrzunehmen und sich auf die Besonderheiten der Insel einzulassen. Wenn Sie ein Reiseziel suchen, das Ruhe, kulturelle Identität und ungewöhnliche Landschaften miteinander verbindet, erwartet Lanzarote Sie mit offenen Armen.
Hat Lanzarote Ihre Neugier geweckt?